[Norddeutschland] Die „Identitäre Bewegung“

via linksunten (da gibt es auch Fotos und mehr Infos in den Kommentaren)

„Im derzeitigen Deutschland wird die Gefahr mit rechter Gewalt konfrontiert zu werden für viele Menschen immer größer. Klar ist, dass die TäterInnen dabei nicht immer aus organisierten Strukturen der extremen Rechten stammen. Eine diffuse, im öffentlichen Diskurs häufig formulierte und relativierende „Angst vor den Anderen“ wird oft als ein Grund dafür genannt, dass vermehrt „besorgte BürgerInnen“ Brandsätze in Häusern für Hilfesuchende zünden, Busse blockieren, Menschen bedrohen, beleidigen, erniedrigen. Ihr Motiv dabei ist immer auch ein rassistisches. Der kaum noch schleichenden, gesellschaftlichen Integration rechter Ideologien gilt es sich in den Weg zu stellen, potentielle TäterInnen handlungsunfähig zu machen und Menschen vor rechter Gewalt zu schützen.

Im Folgenden veröffentlichen wir Informationen zu den Strukturen und Akteuren der „Identitären Bewegung“ in Norddeutschland. Die Einflussnahme auf öffentliche Diskurse und ihr Beitrag zu einer für viele Menschen immer gefährlicher werdenden Gesellschaft gab dazu Anlass. Ihnen sollen die Räume, die Straßen, die Anonymität als Rückzugsraum genommen werden.

Überblick

Identitäre Bewegung Deutschland (IBD)

  • Struktur & Organisation

Identitäre Bewegung Hamburg (IB HH)

  • Mitglieder der IB HH
  • Hamburger Burschenschaft Germania-Sicherheit, Training & Hitlergrüße
  • Getrennt marschieren, vereint schlagen- AfD/JA und IB

Identitäre Bewegung Nord-Niedersachsen (IB NDS)

Identitäre Bewegung Mecklenburg-Vorpommern (IB M-V)

  • Mitglieder der IB M-V
  • Der Verein Heimwärts e.V.

Identitäre Bewegung Schleswig-Holstein (IB S-H)

  • Hintergrund
  • Der Weg zur Identitären Bewegung
  • Identitas Nord-Identitas Gemeinschaft-Identitäre Bewegung Schleswig-Holstein

Fazit

IDENTITÄRE BEWEGUNG DEUTSCHLAND (IBD)

Mit zahlreichen, öffentlichen Aktionen schaffte es die „Identitäre Bewegung Deutschland“ (IBD) mehrfach in die Schlagzeilen und mittlerweile sogar auf den Schreibtisch des Verfassungsschutzes. Die Gruppierung ist in Frankreich entstanden und 2012 auch in Österreich etabliert worden. In Norddeutschland tauchte die „Identitäre Bewegung“ (IB) öffentlich erstmals 2013 auf. Zur ihrer rassistischen und neofaschistischen Ideologie ist hinlänglich berichtet worden, Zeit sich den Köpfen und der Struktur zu widmen.

Struktur & Organisation

Die Organisationsstruktur der IBD richtete sich im März 2016 neu aus. Dreh- und Angelpunkt der Struktur soll dabei nun Norddeutschland sein. In Rostock wurde hierfür bereits ein Büro in der Graf-Schack-Straße 7 eingerichtet und der Tarnverein „Heimwärts e.V“ gegründet. Charakteristisches Merkmal der Struktur ist die Unterteilung in mehrere Hierarchieebenen. Die jeweilige Führungsperson der entsprechenden Region, die sich im Vorfeld meist als intellektuell Überlegen qualifiziert hat, bildet mit den unterschiedlichen Resorts den Planungsstab der Gruppierungen. Teil dessen sind die Arbeitsgruppen zu PR (Presse und Öffentlichkeitsarbeit), Strategie, Medien, Technik, Aktivismus und Finanzen, die dem Regioleiter, den Regioauftritten, dem Laden (Versand) und der Verwaltung dabei unterstellt sind.

Politischer Aktivismus ist ein wesentlicher Bestandteil der „Identitären Bewegung“ und kann in zwei Säulen unterteilt werden. Eine Säule umfasst die Arbeit und Wirkung nach Außen. Organisation und Durchführung von rassistisch motivierten Propagandaaktionen in Form von Verteilen von Stickern und Flyern, Flash-Mobs veranstalten, Balkons, Tore oder Gehwege symbolisch zu besetzen werden geheim und intensiv geplant. Bei der IBD heißt diese Form der Propaganda „Schockaktionen zur Bewusstmachung der SAB“. Mit „SAB“ ist die „Selbstabschaffung“ gemeint, die in Augen der IBD auf den „Demographiekollaps, die Islamisierung und die Masseneinwanderung“ zurückzuführen sei. Sich dabei bewusst harmlos zu präsentieren, dient den gut geschulten Mitgliedern der Presseabteilung im Anschluss die Aktionen medial zu inszenieren und maximal auszuschlachten. Ziel dabei ist immer den gesellschaftlichen Diskurs zu beeinflussen, indem sie auch strategisch mit Medien und Presse zusammenarbeiten oder in den sozialen Netzwerken mit Fake-Profilen hetzen. Auch sind ihre Auftritte darauf angelegt, anschlussfähig und attraktiv für neue Mitglieder zu sein.

Die zweite Säule beinhaltet die Stärkung der Gemeinschaft alter und neu gewonnener Mitglieder und die Ausbildung eines elitären Zirkels. Neben der Durchführung sogenannter Akademien und Kaderschulungen gehören „Wehrsportübungen“, Wanderungen und „Volkstanz“ zum Pflichtprogramm. Diese Aktionen werden intern „Sympathieaktionen“ genannt. Der Begriff weist auf die Doppelfunktion hin, die diese Aktionsform inne hat. Folglich sollen durch die medial präsentierten Gemeinschaftsaktivitäten Sympathien erworben werden und bei der „Schaffung eines identitären Bewusstseins für unsere Tradition“ nützen. So fand am 07. Januar 2017 beispielsweise ein „Volkstanz“-Wochenende in der Lüneburger Heide und zwei Wochen später ein „Gemeinschaftswochenende“ in Thüringen statt. Beide Veranstaltungen wurden intern überregional beworben und besucht.

IDENTITÄRE BEWEGUNG HAMBURG

Die ersten Versuche der „Identitären Bewegung“ sich mittels öffentlicher Aktionen in Hamburg 2013 zu etablieren scheiterten durch antifaschistische Intervention [1]. Dies führte zu einem kompletten Zusammenbruch der bestehenden Hamburger Strukturen. Erst zwei Jahre später begannen neue Akteure sich unter dem Label der „Identitären Bewegung“ zu organisieren. Seit Beginn an war die in Norddeutschland agierende Gruppe überregional aufgestellt. Der ehemalige Aktivist der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) Jan Krüger aus Lüneburg galt lange Zeit als federführend für die Bundesländer Hamburg und Niedersachsen. Ende 2015 fand dann auch dort eine personelle Umstrukturierung statt.

Die gemeinsame Facebook-Seite beider Bundesländer hieß zunächst „Identitäre Bewegung Großraum Lüneburg“ und wurde Mitte des Jahres 2016 in „Identitäre Bewegung Niedersachsen“ (IB NDS) umbenannt. Im Zuge der Reorganisation gab es zunächst Aktionen im Landkreis Harburg (Tostedt, Buchholz in der Nordheide, Winsen). Einige Monate später, im August 2016, wurde die Facebook-Seite der „Identitären Bewegung Hamburg“ (IB HH) ins Leben gerufen. Während der Neuaufstellung legte sich der Fokus überwiegend auf interne Vorbereitungen, weniger auf politischen Output. Die neuen Prämissen: verstärkte Sicherheit durch konspiratives Agieren sowohl auf Treffen, bei Neuaufnahmen oder innerhalb sozialer Netzwerke. Interne Kommunikation sollte zukünftig ausschließlich mittels verschlüsselter Messenger erfolgen. Die IB HH besteht derzeit aus ca. 30 Mitgliedern. Nicht alle beteiligen sich an öffentlichen Aktionen, oft aus Angst vor möglichen persönlichen Konsequenzen. Viele nehmen nur an den Stammtischen teil oder arbeiten im Hintergrund. Der aktionistische Teil der IB HH ist zu klein um wirklich wahrnehmbar handlungsfähig zu sein. Daher besteht eine enge Verknüpfung zu der Ortsgruppe der „Identitären Bewegung Niedersachsen“ (IB NDS) und teils auch auch zu der „Identitären Bewegung Schleswig-Holstein“ (IB S-H).

So bilden etwa ein Dutzend Mitglieder aus Lüneburg und dem Hamburger Umland gemeinsam mit den HamburgerInnen eine Aktionsgruppe. Jede Woche trifft sich die Regionalgruppe in Hamburg in wechselnden Lokalitäten zu einem Stammtisch. Unregelmäßig werden „große Stammtische“ durchgeführt, an denen auch Personen andere Bundesländer teilnehmen können. Jüngst, am 29.01.2017, führten sie eine konspirativ organisierte Veranstaltung mit ca. 40 Personen im Restaurant „La Granja“ durch. Dieses befindet sich im Landkreis Harburg und nicht wie die IB HH auf ihrer Facebook Seite behauptet in Barmbek.

Im Rahmen der Stammtische planen und besprechen sie Aktionen, die sie als „Basisaktivismus“ bezeichnen und häufig direkt im Anschluss durchführen (z.B. massenhaft Flyer und Sticker in einem Stadtteil verteilen). Treffen fanden in der Vergangenheit beispielsweise im Restaurant „Eichenhof“, im „Hofbräuhaus“, auf dem Haus der „Hamburger Burschenschaft Germania“ und in der Kneipe „Dieze-Köpi“ in Hamburg, sowie im Restaurant „Adlerhorst“ in Lüneburg und im „Klimperkasten“ in Stelle statt. Als weiterer Anlaufpunkt diente zudem die „Klimperkiste“ in Hamburg.

Mitglieder der IB HH

Der Ortsgruppenleiter von Hamburg Stefan Lüdtke  wohnt und arbeitet derzeit in Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein. In sozialen Netzwerken nennt er sich „Leon Degener“ oder auch nach dem belgischen Offizier der Waffen-SS „Leon Degrell“. Seine Waffenaffinität lebt er als Mitglied eines Schützenvereines aus und gab in sozialen Netzwerken bekannt er habe schon einen „Rucksack für den Ernstfall“ gepackt.

Seit März 2016 engagiert er sich in der übergeordneten Organisationsstruktur der „Identitären Bewegung Deutschland“ und kümmert sich dort um die Pressearbeit. Im Juli 2016 übernahm er gemeinsam mit Daniel Fiß die Leitung der IBD. Der ehemalige Vorsitzende, Nils Altmieks, zog sich zurück. Mit einem seiner Facebook Profile ist Stefan Lüdtke in der geheimen Facebook Gruppe „Leichtlauschen für die Eisenjugend“ beigetreten. In dieser Gruppe befindet er sich in guter Gesellschaft mit Neonazis aus dem „Blood & Honour“ und dem „Hammerskin“ Umfeld. Die Administration der Gruppe, in der überwiegend NSBM Musik geteilt wird, hat ein Mitglied der „Identitären Bewegung“ inne.

Die rechte Hand Lüdtkes war bis Januar 2017 Andreas Kinsing (*22.01.1985) aus Neubrandenburg, der seit 2003 in Hamburg lebt. Im September 2015 wohnte Kinsing noch in einer WG am Münzplatz 11, in St. Georg. Anfang Dezember 2015 zog er dann ins Burschenschaftshaus der Germanen in die Sierichstraße 23, obwohl er weder Student noch Burschenschaftler ist, was gängiger Weise Voraussetzung gewesen wäre. Andreas Kinsing besetzte eine tragende Funktion innerhalb der IB HH und gehörte zu den Menschen, die die Anweisungen der Leitung umsetzen. Er organisierte die Treffen, malte die Transparente, druckte die Flyer, versuchte in sozialen Netzwerken Menschen von ihren Ideen zu überzeugen oder für entsprechende Demonstrationen nach Wien oder Berlin zu mobilisieren. Bereits 2013 nahm er an einer Demonstration der „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Hamburg teil – an der Seite von Tatjana Festerling, für die er später, auf ihr Bitten hin, versuchte schützende Begleitung zu einem Termin am Hamburger Amtsgericht zu organisieren.

Maximilian Niznik (*20.06.1989), Martin Baron (*29.11.1993) und Christoph Steinhaus (*16.08.1991) gehören zum harten Kern der „Identitären Bewegung“ in Norddeutschland. Maximilian Niznik übernimmt einige organisatorische Aufgaben, hält Vorträge bei Stammtischen und führt die Gespräche mit Interessierten. Seine Ausbildung absolvierte er bei der Bundeswehr, wo er sich in der Luftwaffe verdient machte. Danach studierte er Informations- und Elektrotechnik an der HAW in Hamburg.

Martin Baron tritt wie Niznik ungern in der Öffentlichkeit auf, übernimmt aber ebenfalls Aufgaben im Hintergrund, wie beispielsweise die Mitgliedsbeiträge der Regionalgruppe zu verwalten. Mit Mütze und Sonnenbrille versuchte er sich bei einer IB Kundgebung in Ribnitz- Damgarten in Mecklenburg-Vorpommern am 09.04.2016 zu verstecken. Er betreut gemeinsam mit Jan Kandler, wohnhaft in Welle (Niedersachsen), den Facebook-Account „Stefan Helle“, der als Anwerber-Account für die Erstgespräche mit Interessierten genutzt wird. Aufgewachsen ist Baron in Hitzacker/Elbe, hat sein Abitur 2012 in Dannenberg gemacht und lebt aktuell in Hamburg-Wilhelmsburg in einer WG. Baron nahm am 30.04.2016 mit etwa 200 weiteren Gästen der extremen Rechten und dem bundesweit bekannten NPD Politiker Stefan Köster aus Mecklenburg-Vorpommern an der völkischen Mai-Tanz Veranstaltung auf dem Sloh-Hof in Edendorf teil [2]. Mit seinem guten Freund, Jan Krüger, besuchte Martin Baron 2014 den bekannten Neonazi Timothy Laack in Wibbese auf dessen Hof [3].

Christoph Steinhaus aus Schenefeld in Schleswig-Holstein hält sich oft im Hintergrund, ist aber regelmäßig bei den Treffen und Aktionen anwesend. Er nahm zum Beispiel am 28.06.2015 an der „Besetzung“ der SPD Zentrale in Hamburg teil, sowie an der IB-Demonstration in Wien am 11.06.2016.

Ebenso gehören Marc Zelas (*09.08.1985) aus Stralsund, Jakob Kautz und Daniel Issel-Domberg (*26.11.1990) zu dem Kreis der Aktiven. Alle drei besuchten die IB-Kundgebung unter dem Motto „Sicherheit braucht Identität“ in Ribnitz-Damgarten. Issel-Domberg und Zelas reisten ebenfalls mit nach Wien.

Zelas wohnt aktuell mit Frau und Kind in Geesthacht in Schleswig-Holstein, ist aber aufgrund der Nähe zu Hamburg, bei der IB HH angebunden.

Ein weiteres, lange Zeit aktives Mitglied der IB HH ist Friedrich Wilhelm Schmutzler (*03.04.1992). Im Oktober 2016 zog er für sein Philosophie Studium nach Rostock, ist allerdings noch stark an die Hamburger Gruppe angebunden und pendelt regelmäßig zwischen den Städten. Schmutzler kommt aus einer Familie bekannter Neonazis [4]. Seine Mutter war bei der mittlerweile verbotenen „Heimattreuen Deutsche Jugend“ (HDJ), sein Vater hat die „Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ gegründet, in der Friedrich Schmutzler heute aktiv ist und deren Facebook-Seite er betreut. Politisch verbunden fühlt er sich ebenso mit der NPD, so bezieht er Informationen der extrem rechten Partei über deren E-Mailverteiler.

Jüngstes Mitglied ist Arne Mörig (*07.03.1992), ursprünglich aus Düsseldorf. Über seine Schwester Wiebke Mörig, die ebenfalls bei der IB aktiv ist, nahm Arne Mörig Kontakt zu Friedrich Schmutzler auf. Wiebke Mörig und Friedrich Schmutzler besuchten im August 2016 gemeinsam eine IB-Akademie in Frankreich. Arne Mörig bekundete reges Interesse und traf sich im September 2016 mit Schmutzler zu einem Erstgespräch. Die Familie Mörig blickt ebenfalls auf eine lange Tradition in der extremen Rechten zurück. Der Vater, Gernot Mörig, war zunächst Bundesführer der „Bund Heimattreuer Jugend“ (BHJ) und später aktiv bei der „Heimattreuen Deutsche Jugend“ (HDJ). Fotos zeigen Gernot Mörig auf dem Pfingstlager der HDJ 2007 in Eschede [5].

Auch Hildburg Meyer-Sande (*23.03.1987) ist aus einer bekannten völkischen Familie, die sich bereits bei der HDJ engagierte, und nahm an zahlreichen Lagern teil [6].Im Jahr 2008 fand im Zuge des Verbotsverfahren gegen die HDJ eine Razzia auf dem Hof der Meyer-Sandes in Hohnstorf/Bienenbüttel statt. Im Jahre 2010 nahm die Familie mit einer Gruppe völkischer Neonazis aus der Lüneburger Heide am Naziaufmarsch in Dresden teil. Eine zeitlang hielt sich auch Götz Kubitschek im Kreise der Gruppe auf. Mit ihrer E-Mailadresse stand Hildburg Mayer-Sande mindestens bis 2014 auf dem Verteiler der JN, der Jugendorganisation der NPD. Sie absolvierte eine Ausbildung als Staudengärtnerin in Oldenburg, studierte dann an der FH in Bernburg Naturschutz & Landschaftsplanung und machte danach in Greifswald ihr Diplom in Botanik und Landschaftsökologie. Am 31.10.2015 besuchte sie die AfD-Kundgebung in Hamburg und umgab sich dort mit den völkischen Familien Fachmann und Berg aus Niedersachsen. Meyer-Sande übernimmt in der IB wichtige Aufgaben, wie beispielsweise die Organisation der Weihnachtsfeier 2015 auf dem Haus der „Hamburger Burschenschaft Germania“. Weiter nahm sie bei der „Volkstanz“-Flash-Mob Aktion der IB HH teil, wie auch ihre Schwester Irmhild Meyer-Sande, die ebenfalls 2010 an der Neonazidemonstration in Dresden, sowie 2015 an der AfD Kundgebung in Hamburg teilnahm. Am 19.03.2016 verteilte Hildburg Meyer-Sande rassistische Flyer in Buchholz in der Nordheide. An dieser Aktion nahm auch Alexander Sommerkamp-Homann (*26.09.1990), derzeit wohnhaft in den Niederlanden, teil. Sommerkamp-Homann kommt aus Hamburg, studiert aber derzeit in Groningen Psychologie.

Dass die IB keine reine Jugendorganisation ist, zeigt unter anderem Jan Frömming (*24.07.1962) aus Bremen, jetzt Rotenburg an der Wümme. Er unterstützte die Hamburger Gruppe beispielsweise bei einer Flash-Mob-Aktion am Hamburger Hauptbahnhof am 09.07.2016. Zudem gilt er als waffenaffin.

Weitere Personen, die sich der „Identitären Bewegung Hamburg“ zugehörig fühlen, sind die Neonazis Sönke Bork, Simon Bork und Alexander Jäger aus Schleswig-Holstein. Alle Drei kommen aus dem Kreis Pinneberg und sind aufgrund der Nähe zu Hamburg ebenfalls an die örtliche Struktur angebunden. Am 29.01.2017 nahmen sie an dem Stammtisch in Hamburg teil. Die Bork Brüder kommen aus der Kameradschaft „Jugend für Pinneberg“ und besuchten bis heute zahlreiche Neonazidemonstrationen. Am 01.03.2015 nahmen beide an der „2. Norddeutschen Bücherbörse“ im „Thinghaus“ in Grevesmühlen teil, wo zudem Henrik Ostendorf ein Zeitzeugengespräch mit dem SS-Mann Klaus Grotjahn veranstaltete [7]. Jäger war lange Zeit für die NPD aktiv und wurde 2010 als Beisitzer im Landesvorstand gewählt. Mit weiteren Neonazis war er 2009 an einem gewalttätigen Übergriff beteiligt [8].

Hamburger Burschenschaft Germania-Sicherheit, Training und Hitlergrüße

Seit dem 18.11.2015 existiert eine inoffizielle Kooperation zwischen der „Hamburger Burschenschaft Germania“ (HBG) und der „Identitären Bewegung Hamburg“ (IB HH). Stammtische der IB HH, sowie gemeinsames Kampfsporttraining fanden regelmäßig auf dem Hause der Germanen in der Sierichstraße 23 statt. Andreas Kinsing erläutert dazu:

„Die HBG wurde aber mittlerweile erfolgreich von uns ‚unterwandert‘-und hat sich dementsprechend politisch gewandelt. […] Eine direkte oder offizielle Fusion wird von uns aber abgestritten, falls nötig.“

Konkret bestätigt wird die Aussage durch Eric Eder (*15.11.1990), Moritz Schellenberg und Hans Boy Dunker (*12.8.95). Alle Drei sind sowohl in der HBG als auch in der IB HH organisiert. Jan-Phillip Tadsen (*10.04.1988) und Viktor Erdesz wohnten eine Zeit lang auf dem Hause der Germanen. Unterstützung findet die IB ebenso bei dem „Bierwart“ der HBG Kristen Bjarne Zimmermann und dem Burschenschaftler Mario Brockmann, die zum nahen Umfeld gezählt werden können. Dunker, Schellenberg und Eder studieren derzeit an der Universität Hamburg. Erdesz ist Fallschirmjäger bei der Bundeswehr, studiert Politikwissenschaft an der Helmut-Schmidt Universität in Hamburg und wohnt wie Hans Boy Dunker in der Sierichstraße. Dunker war im Januar 2016 Teil der Schutzstruktur für das „Sturmvogel“-Lager in Immenhausen. Tadsen kommt ursprünglich aus Nordfriesland und pflegte dort bereits Kontakte zur NPD. Aktuell lebt er in Greifswald. Eder, der aus Holm in Schleswig-Holstein kommt, ist in Wedel zur Schule gegangen.

Seit Januar 2016 trainieren IBler und Burschenschaftler regelmäßig gemeinsam. Eric Eder koordiniert das Training. Gelegentlich leitet der kampfsporterfahrene Martin Baron die Gruppe an. Als Haupttrainer fungiert allerdings Thomas „Togger“ Gardlo, der in Hamburg kein Unbekannter ist. Gardlo machte bereits 2002 Schlagzeilen, als aufgedeckt wurde, dass er und sein Bruder Personenschützer von Ronald Schill und zudem bekannte Neonazis waren. Beide sind im Umfeld der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten“ (ANS) und später der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) aktiv gewesen. Auch sind die Brüder mit Wehrsport und paramilitärischen Übungen in Deutschland und dem Ausland in Verbindung zu bringen. Neben Gardlo ist ein weiterer Protagonist aus der Schill-Zeit im Umfeld der IB HH zu finden. Horst Johanning, damals ebenfalls Personenschützer von Schill, ist heute noch in der Security-Branche tätig und beschäftigte neben Friedrich Schmutzler auch Andreas Kinsing. Sowohl Gardlo als auch Johanning sind wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorbestraft. Bei einem Boxkampf 2007 wurde Gardlo bei einer öffentlichen Massenschlägerei außerhalb des Rings erneut auffällig . Als Sicherheitsangestellte haben er und seine Kollegen den Boxpromoter Ahmet Ö. rassistisch beleidigt und provoziert. Aktuell wirbt die Seite „Date4sports.com“ mit der „Türsteher-Legende Togger“ auch für Outdoor-Bootcamps [9].

Gardlo und seine Nazifreunde sind neben dem Training für die Absicherung von IB-Veranstaltungen zuständig. Dabei unterstützend wirken Yannic Gehrmann (*27.11.1992) und Andreas Kinsing. Das Sicherheitskonzept bei den konspirativ organisierten Stammtischen, wie dem am 30.09.2016 in Hamburg oder dem in Tostedt am 23.01.2016, ist umfangreich. Über die Gefahren einer öffentlichen Bewerbung zu Akquirierungszwecken potentieller Mitglieder sind sich die Organisierenden durchaus bewusst. Dementsprechend werden Maßnahmen zur Absicherung der Zusammenkünfte getroffen. Personen werden abgestellt, um die Umgebung im Blick zu behalten und gegebenenfalls einzugreifen. Weitere sind mit Kamera und Funkgeräten ausgestattet, um den Treffpunkt zu überwachen. Alle Teilnehmenden bekommen strikte Verhaltensanweisungen. So dürfen beispielsweise an Treffpunkten keine Gruppen gebildet werden, um nicht aufzufallen. Ein vorher bestimmtes Team holt die Neuinteressierten am Schleusungspunkt ab und konfisziert ihre Handys, um Ton- und Bildaufzeichnungen der Veranstaltung zu verhindern. Wie es bei Treffen im Keller der „Hamburger Germanen“ zugeht sollte nach dem IB-Chef Stefan Lüdtke besser nicht an die Öffentlichkeit geraten. Die „Umgangsformen“ scheinen nicht immer Konsens zu sein.

Am 10.01.2016 erfolgte ein Streitgespräch zwischen Stefan Lüdtke und Andreas Kinsing dazu:

Lüdtke: „Dieses abgehitlere geht mir derbst auf den Geist“.

Kinsing: „Was hat n das mit abhitlern zu tun?? Häää? Das ist einfach nur witzig“

Lüdtke: „War doch gestern schon so das abgehitlert wurde. Sowas geht gar nicht.“

Kinsing: „Du hast recht. Und das wurde noch richtig peinlich im Laufe des Abends […] Die Gäste haben das Lokal verlassen, weil die da mal richtig abgehitlert haben“.

Lüdtke: „Geht auch gar nicht klar, weil wir keine Mitglieder brauchen können, die sich sowas leisten“.

Kinsing: „Sonst trinke ich eigentlich kaum Bier. Bei den anderen geht das eigentlich auch. Aber wenn, dann richtig. Und dann passiert das auch immer mit dem abhitlern 🙂 Der Arm geht von ganz alleine hoch“.

 

Einige Tage später führt Lüdtke die 2 Bier-Regel auf Treffen ein. Dass das Zeigen des Hitlergrußes bei der IB aber eher die Regel als die Ausnahme zu sein scheint, bestätigt Hans Boy Dunker:

„jaja komm bei der Weihnachtsfeier stand die halbe IB-Mannschaft später im Keller und hat zu Rechtsrock den Arm gehoben xD“

Getrennt marschieren, vereint schlagen – AfD/JA und IB

Der Landesverband der AfD ist seit 2015 teil der Hamburgischen Bürgerschaft. Seitdem versucht sie mit kleinen Anfragen, vorzugsweise zum Thema „Linksextremismus“, ihre politischen Interessen durchzusetzen. Offiziell bekennt man sich in Hamburg wie anderswo nicht zur Zusammenarbeit mit der „Identitären Bewegung“. Dem widersprechen allerdings nachweisliche, persönliche Beziehungen zwischen IB und AfD, vor allem zur Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA).  War es beispielsweise Christin Schellhase Ende 2015 noch ein Anliegen Teil der IB zu sein, ist sie nun bei der AfD. Gemeinsam mit der stellvertretenden Vorsitzenden der JA Delphine Thiermann und den Mitgliedern wie Alina Spiegel und Viktor Erdesz nahm sie 2016 an der Weihnachtsfeier der „Jungen Alternativen“ Schleswig-Holstein und Hamburg teil. Schellhase steht weiterhin im regen Austausch mit IB-Mitgliedern und ist zudem häufiger Gast auf dem Haus der Germanen.

Die an der Universität Hamburg Jura studierende Delphine Thiermann steht ebenso im engen Kontakt zu IB-Mitgliedern und strebte im Sommer 2016 eine anonyme Fördermitgliedschaft der IB HH an. Nicht verwunderlich, dass auch strategische Absprachen stattfinden, so versichert Thiermann, dass die JA sich öffentlich nicht negativ zur IB äußern wird:

„also keine Distanzierung von uns (wenn sowas diskutiert wird, halte ich definitiv dagegen) und falls Leute von euch doch mal bei uns vorbei kommen wollen, immer gerne“.

Im Jahr 2015 besuchte Thiermann die von Hildburg Meyer-Sande organisierte Weihnachtsfeier der IB HH auf dem Haus der HBG und feierte bis in die frühen Morgenstunden. Durch ihren jetzigen Ex-Mann, den Burschenschaftler der HBG, Raphael Thiermann, pflegte sie schon früher Kontakte zu den extrem rechten Germanen. Von ihrem Jura Studium profitierte auch Andreas Kinsing, als sie ihm eine kostenlose Rechtsberatung zukommen lässt. Dieser erhielt einen Strafbefehl wegen Hausfriedensbruch zum Nachteil der SPD. Mit acht weiteren IBlern kletterte er am 28.06.2015 auf den Balkon der Parteizentrale, um dies im Nachhinein medial als „Besetzung“ zu inszenieren. Für Thiermann eine „Gute Aktion!“ Welches Rechtsverständnis sie ihrem Studium zu Grunde legt verdeutlicht die nächste Aussage:

„Mal abgesehen davon, dass ich mit Lügnern und Verrätern wie folgt umgehe: Verräter gehören erschossen.“

Am 18.04.2016 veranstaltete die AfD im Hamburger Rathaus eine Veranstaltung mit Dieter Stein, dem Chefredakteur der „Jungen Freiheit“. Einige IBler, wie Kinsing, nahmen an der Veranstaltung teil. Im Anschluss zogen IBler und Burschen dann mit AfDlern zu den Germanen in die Sierichstraße und betranken sich. Zu später Stunde sorgte sich Delphine Thiermann.

Thiermann: „noch unterwegs?bzw eigentlich fragebedingt.weil mein Vorsitzender mit euren Leuten abgezogen ist und ich das nicht soo witzig finde“

Kinsing: „…keine Ahnung.wer mit wem abgezogen ist.Ich bin ja mit Richard alleine los.Mach Dir keine Gedanken, es wird schon nichts passiert sein. Die waren uns weitesgehend wohlgesonnen selbst der AfD Landesvorsitzende

Thiermann: „ach der war schon da. naja was solls..ging ja auch nicht um euch, sondern eher darum, dass ich nicht wusste, wer da gerade rumspringt. muss ja nicht sein, dass sich unser Landesvorsietzender ausgiebig mit Moritz Schellenberg oder so unterhält. Ach keine Ahnung, was da abging, ich distanziere mich jedenfalls im Vorfeld! ;)“

Zwei Tage später fragt Thiermann erneut nach:

Thiermann: „Warum wart ihr eigentlich letztens auch da? Ich dachte, ihr seid so skeptisch 😀 und Dr. Baumann habt ihr von der IB erzählt oder?“

Kinsing: „Keine Ahunung, war spontan… jedenfalls bei mir. Irgrndjemand meinte, lass mal hin – und ich bin eigentlich nur mit Richard hin, weil wir hunger hatten – und dort noch etwas essen wollten. Ja – haben wir 🙂 Der war aber völlig entspannt und uns wohlgesonnen.

Thiermann: „ja das ist der beste der AfD Fraktion in Hamburg

Kinsing: „Ich bin mir nicht sicher – aber ich glaube die waren sogar noch bis morgens um 4, halb 5 adH^^Wurde mir so mitgeteilt. Ich habe gepennt – war totmüde“

Thiermann: „nee nur 3 Leute, darunter zwei Fraktionsmitarbeiter und unser Vorstandsmitglied

einer ist Mecklenburge, das ist okay, dem Rest wurde die Hölle heiß gemacht. ja ging ja eh schon lange genug der Abend“

Weitere zwei Tage später offenbart Thiermann Weiteres:

Thiermann: „außerdem möchte ich zu einer bestimmten Akademie, aber das bleibt bitte unter uns“

Kinsing: „Nein – ich werde das jetzt umgehend dem Landesvorsitzenden melden…^^“

Thiermann: „der sich ja gerne bei den Sierichs besäuft^^“

Die Zusammenkunft zwischen den Jung-AfDlern im Haus der Germanen mit den Identitären hat Thiermann nicht ganz freiwillig verpasst. Sie hat Hausverbot in der Sierichstraße , weil mal alles total übereskaliert“ sei im Streit mit Moritz Schellenberg und Eric Eder. Die politische Zusammenarbeit zwischen IB und AfD fällt teils pragmatisch aus. Am 27.04.2016 fordert Andreas Kinsing Delphine Thiermann auf:  

„Fährst Du eigentlich zum Parteitag? Wenn ja – stimme mal inhaltlich mit dem Flügel ab. Ich weiß nicht welche Anträge die mit ins Parteiprogramm haben wollen – Du bist da ja sicher besser involviert. Ich glaube es geht um Ein Minaretten-Verbot…unter Anderem.Du kannst da Einfluss drauf nehmen – hast ja jetzt ein Parteibuch“

Welcher „Flügel“ gemeint ist, ist offensichtlich. Beide stehen auf der Seite von Björn Höckes antisemitischen, faschistischen Kurs innerhalb der AfD. Innerhalb der IB HH ist das Verhältnis zur AfD ebenfalls deutlich. Kinsing zu Baron:

wir sind ja sowas wie der außerparlamentarische arm der afd sind viele von uns in der ja.kann also net schaden wenn du auch dabei bist ;)“

Ein weiteres Beispiel für eine Kooperation ist Jan-Philip Tadsen, der am 21.11.2015 als Ordner eingesetzt für die AfD eine Demonstration in Schwerin absicherte. Weitere Mitglieder der „Jungen Alternativen“ stehen im engen Kontakt zu Burschenschaftlern und der IB HH. Am 14.12.2016 versuchten Hans Boy Dunker, Moritz Schellenberg und JA Mitglied Alina Spiegel an einer Veranstaltung über die „Identitären Bewegung“ an der Uni teilzunehmen. Spiegel hält sich des Öfteren bei den Germanen auf. Mit ihrem Freund Viktor Erdesz sowie Hans Boy Dunker, Fridruika Görtzen und Claus Döring feierte sie gemeinsam den Wahlsieg von Donald Trump in der Sierichstraße. Schellenberg, Spiegel und Erdesz nahmen am jüngsten Stammtisch der IB HH teil.

IDENTITÄRE BEWEGUNG NIEDERSACHEN (NORD-OST)

Wie Anfangs erwähnt hielt lange Zeit der Neonazi Jan Krüger das Zepter der „Identitären Bewegung“ für Hamburg und das niedersächsische Umland in der Hand. Zwar beteiligt er sich heute noch an diversen Aktionen, organisatorische Aufgaben wie einst erfüllt er aber nicht mehr. Die aktuell relevanten Köpfe der Lüneburger Gruppe sind Marvin Behrens (*28.10.1993) und Patrick Bittrich (*07.12.1986). Bittrich kommt ursprünglich aus Erftstadt bei Köln. Er betreut die E-Mailadresse niedersachen@identitäre-bewegung.de und ist als Informatiker für IT und IT-Sicherheit der IB zuständig. Bittrich organisierte teilweise das „Identitäre Gemeinschaftswochenende Januar 2017“ in Thüringen und nahm auch daran teil. Behrens agiert meist im Hintergrund, hält Vorträge auf internen Veranstaltungen und ist eng vernetzt mit den völkischen Neonazis aus Niedersachsen. Er nimmt aber auch an Aktionen in Hamburg teil, wie beispielsweise dem „Volkstanz“ und einer weiteren an den Landungsbrücken am 14.08.2016. Des Weiteren reiste er zur IB-Kundgebung am 09.04.2016 in Ribnitz-Damgarten und zu der IB- Demo am 17.06.2016 nach Berlin. Ein weiterer Teilnehmer der Kundgebung in Ribnitz-Darmgarten war Lennart Kirchner (*27.12.1996) aus Heidenau (Niedersachsen). Er organisiert die Treffen der IB in Tostedt und hilft bei der Anmietung der Räume. Bereits 2013 besuchte er gemeinsam mit Kinsing die AfD Demonstration in Hamburg.

Neben den bereits bekannten Mitgliedern Jan Kandler und Irmhild Sawallisch sind weitere langjährige Neonazis an den Aktionen der IB beteiligt [10]. Meinolf Sawallisch (*24.07.1997) lebt zwar in Kaltenkirchen, ist aber über die völkischen Bezüge an die Lüneburger und Hamburger Gruppe angebunden. Die beiden Sawallischs nahmen 2016 am „Sturmvogel“-Lager in Schweden teil, einer Abspaltung der verbotenen „Wiking Jugend“ (WJ) [11]. Die 16-jährige Gerhild Sawallisch beteiligte sich wie Irmhild Sawallisch an der „Volkstanz“-Aktionen der IB HH. Beide fuhren dieses Jahr im Januar zu einem „Gemeinschaftswochenende“ nach Thüringen. Eine gute Freundin Irmhild Sawallischs, Helrun Bauer aus Wien, engagiert sich ebenfalls für die IB. Beide nahmen an der von der IB initiierten Demonstration in Berlin teil. Außerdem beteiligten sie sich an der rassistischen Aktion der IB am 09.07.2016 im Hamburger Hauptbahnhof.

Die langjährige Neonazistin und Musiklehrerin Gerhild Drescher war bereits 1993 bei dem extrem rechten Verein „Die Heimattreue Jugend“ (DHJ) Standortführerin, damals noch in Berlin. Die DHJ kann als Vorläufer der seit 2009 verbotenen „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) bezeichnet werden [12]. Später engagierte sie sich im „Deutschen Mädelwanderbund“ und der „Deutschen Gildenschaft“. Drescher nahm bisher an vielen Veranstaltungen der IB teil, wie u.a. der Demo in Berlin und in Ribnitz-Damgarten, aber auch an Aktionen wie einem „Volkstanz“ an den Landungsbrücken in Hamburg oder an einer rassistischen Transpi-Aktion der IB am 08.09.2016 in Celle. In Celle ebenfalls anwesend war Maik Heidorn (*01.04.1976) aus Lüneburg. Er unterstützt die IB bei diversen Aktionen. So taucht er oft in Hamburg auf oder bei Aktionen in Berlin, wie den „Besetzungen“ der CDU-Zentrale oder dem Brandenburger Tor.

IDENTITÄRE BEWEGUNG MECKLENBURG-VORPOMMERN

Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist die Ortsgruppe der „Identitären Bewegung“ (IB M-V) darum bemüht, sich zu etablieren. Wie Eingangs erwähnt konzentriert sich der Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit dabei auf Rostock, der größten Stadt des Bundeslandes. Wie auch in anderen Teilen der Bundesrepublik praktiziert, wirken zum Teil alt bekannte Neonazikader in ihren Strukturen mit. Ein weiteres Standbein stellen, wie auch in Hamburg, die hiesigen Burschenschaften und die AfD dar. Erste Treffen der IB fanden in Räumlichkeiten von Burschenschaften statt, zeitgleich entfaltete die Gruppe in M-V zur Landtagswahl eine hohe Aktivität. Kein Wunder, wenn man dabei bedenkt, dass der AfD-Landtagsabgeordnete Holger Arppe die „Identitäre Bewegung“ als außerparlamentarischen Arm seiner Partei benennt und somit eine strategische Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen ist. Im Gegenzug unterstützen Teile der AfD-M-V die Kampagne „Ein-Prozent“. Wie aus einem Bericht des Spiegels hervorgeht, nahmen an einem gemeinsamen Treffen im September 2016 aktive IB-Mitglieder und ein Landtagsmitarbeiter der AfD teil [13]. Der Gründer der Kampagne, Götz Kubitscheck, nimmt dabei an, dass ein Prozent der deutschen Bevölkerung ausreichend seien, um die aktuelle Asylpolitik und Regierung zu Fall zu bringen und dient in erster Linie der Akquise von Geld. Die Aktivitäten der Regionalgruppe beschränkt sich nicht auf Mecklenburg-Vorpommern. Bei überregionalen Aktionen der IB sind stets Mitglieder aus M-V anwesend. Dem Tatendrang soll nun durch eine Verlegung der Geschäftsstelle der „Identitären Bewegung Deutschland e.V.“ von Paderborn nach Rostock Rechnung getragen werden.

Mitglieder der IB M-V

Einer der wichtigsten Köpfe der IB M-V ist der Student Daniel Fiß (*18.10.1992) aus Rostock. Fiß ist Hauptverantwortlicher für den „IB-Laden“, hält Vorträge bei internen Schulungen und Stammtischen, wie beispielsweise am 20.01.2017 bei dem „Gemeinschaftswochenende“ in Thüringen und ist Pressesprecher der IBD. Er war ebenso einer der Redner der Kundgebung in Ribnitz-Damgarten. Fiß blickt mit seinen 24 Jahren bereits auf eine lange Karriere in der Neonaziszene zurück – auch wenn er heute von einem Bruch mit der „alten Rechten“, einer Abwendung vom historischen Nationalsozialismus spricht [14]. Bevor er sich mit den aktionistischen KameradInnen der „Nationalen Sozialisten Rostock“ (NSR) überwarf, war er über mehrere Jahre hinweg der Schulungsleiter der JN M-V, die unter seiner Mitwirkung erstmals wieder Aktivität im Landkreis Rostock entwickelte [15]. Dabei trat er in verschiedenen Mobivideos auf oder nahm an Demonstrationen und Infotischen teil. Innerhalb der IB ist er mittlerweile zum Bundesvize aufgestiegen. Schon lange vor seiner Hinwendung zur IB gründete er das Projekt „Kontrakultur MV“, das sich entgegen dem gleichnamigen Projekt aus Halle, nicht gleich zu den Identitären bekannte. Über einen Blog, Facebook-Auftritt und später einen Podcast bemühte sich Fiß seinem Selbstgeltungsdrang zu genügen. Das Projekt scheint vorerst zu Gunsten des Podcasts „Heimwärts“ auf Eis zu liegen. Trotz seiner mittlerweile erlangten Bekanntheit, schreckt er nicht vor Gewalt zurück. Fotos und Videos zeigen ihn bei einem Angriff auf Antifas in Wien am 06.06.2015.

Eine weitere Schlüsselfigur der IB M-V ist Hannes Krünägel aus Rostock (*08.05.1989), ehemals aus Grimmen. Der Elektrotechnikstudent, der im Nebenerwerb beim TÜV Nord angestellt ist, ist innerhalb der Strukturen in M-V relativ schnell zum Regionalleiter aufgestiegen. Dabei trat er erstmals im September 2016 als Redner auf einer angemeldeten Kundgebung vor dem Rostocker Amt für Migration auf. Seine politische Sozialisation erfuhr Krünägels im Kreise des späteren Unterstützerumfelds der Hamburger Rechtsrock-Band Abtrimo [16]. Noch im März 2015 besuchte er mit andern Naziskins eine MVGIDA Demonstration in Stralsund (M-V). Die Organisation der Gruppe MVGIDA wird seit ihrer Gründung durch Teile der NPD Mecklenburg-Vorpommern übernommen. Bei vielen bundesweiten Aktionen der IBD, gerade den „Besetzungen“, nahm Krünägel teil. Zusammen mit Daniel Fiß betreibt er den „Heimwärts Podcast“.

Immer wieder wurde in der Vergangenheit, gerade im letzten Jahr, beobachtet, wie die AfD M-V und die IB zusammenarbeiten. Ein weiterer Beleg hierfür ist eine der wenigen Frauen in der IB M-V, Eike Liefke (*30.11.1992). Das Outing der 24-Jährigen sorgte kürzlich für Aufsehen in der politischen Szene in Rostock [17]. Noch im Oktober versuchte sie gemeinsam mit Stephan Schmidt, Landtagsmitarbeiter der AfD Fraktion M-V Zugang ins alternative Peter-Weiss-Haus zu erhalten. Dort fand ein Vortrag der „Interventionistische Linke Rostock“ zum Thema AfD statt. Liefke selbst ist nicht nur Mitglied der IB M-V sondern auch Mitglied der „Jungen Alternative“. Dabei taucht sie immer wieder auf Fotos von Parteiveranstaltungen auf.

Ein weiteres Mitglied der IB M-V ist der Student und Ex-Freund von Eike Liefke, Thore Ragnar Teufel (*17.11.1990). Teufel stammt ursprünglich aus Kiel, wo er Anschluss an die „Burschenschaft Teutonia Kiel“ knüpfte, in der er seither aktiv ist. In Rostock angekommen biederte er sich der als extrem rechts bekannten „Burschenschaft Redaria-Allemania“ an, wo er nun das Amt des Altherrensprechers inne hat und aktiv am Wiedereintritt der „Redaria-Allemannia“ in den extrem rechten Dachverband der „Deutschen Burschenschaft“ arbeitet. Thore Ragnar Teufel war auch einer der TeilnehmerInnen einer „Spontankundgebung“ der IB M-V vor dem Rostocker Rathaus am 07.10.2015. Hier posierte er mit einem Transparent „Asylwahnsinn stoppen“ vor dem Eingang des Kommunalparlaments. Weiter verteilte Teufel zusammen mit Hannes Krünägel im Dezember 2016 in Rostock-Warnemünde Flyer, die im Onlineshop der IB käuflich zu erwerben sind.

Der Verein „Heimwärts e.V.“

Ein Großteil der Aktiven der IB M-V fand sich im Oktober 2016 zu dem Verein „Heimwärts e.V.“ zusammen. In der Satzung des Vereins heißt es:

„Das Ziel des Vereins liegt in der Einflussnahme auf die öffentliche Meinungs- und Willensbildung zugunsten heimat- und kulturgeschichtlicher Werte und regionaler Güter. Der Verein bietet bildende und wissensvermittelnde Tätigkeiten an, die sich mit Fragen von Identität, Heimat und Kultur im 21. Jahrhundert auseinandersetzen und möchte für diese Themen im gesellschaftlichen Diskurs einwirken und sensibilisieren.“

Dabei regelt die Satzung ebenfalls, dass diese Kernaufgabe des Vereins mit Hilfe von verschiedenen Medien sowie Demonstrationen und durch die Beteiligung von diversen PartnerInnen, wie z.B. Firmen und Parteien, realisiert werden soll. Wie bereits in der Einleitung erwähnt und typisch für das Zweisäulenprinzip der IBD, wird auch mit dem Verein das Ziel verfolgt, „zur Förderung des inneren Mitgliederzusammenhalts sowie der Organisation von Vorträgen, Bildungsveranstaltungen, Kulturprogrammen, Kampagnen und der Absolvierung von Verwaltungsaufgaben“ in die eigene Struktur zu wirken und diese nachhaltig zu festigen. Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im Verein ist das Bekenntnis zum Gründungszweck und eben zu den Idealen der IB.

Die Hauptverantwortlichen des Vereins stellen der Regionalleiter der IB M-V Hannes Krünägel und Daniel Sebbin (*06.08.1987), ursprünglich von Rügen. Beide sind mittlerweile wohnhaft in Rostock. Während beide bundesweit an Events der IBD teilnehmen, ist Sebbin auffällig selten bei Aktionen in Rostock und eher in Berlin oder Niedersachsen wahrzunehmen. Die von Sebbin angemieteten Räumlichkeiten in der Graf-Schack-Straße 7 in der Rostocker Innenstadt dienen aktuell als Stützpunkt und Vorbereitungsort für Aktionen der Gruppe. Langfristig sei die Anmietung weiterer Räumlichkeiten in Planung. Sebbin wohnte und studierte zeitweise in Greifswald und verdient seinen Lebensunterhalt durch den Aufkauf und die Vermietung von Garagen in Rostock, sowie der Gestaltung von Internetseiten. Sein Arbeitgeber Carsten Appel von der Firma „sitefuchs“ zeigt bei Facebook selbst auch Sympathien für die neurechte Struktur. Wie Eike Liefke, wohnt auch Sebbin in dem Rostocker Stadtteil KTV zusammen mit seiner Schwester und IBlerin Anika Sebbin (*16.08.1992), die nach den Protesten gegen die Demonstration der IB in Wien von weiteren Demoteilnahmen Abstand nahm. In einer Unterhaltung mit Friedrich Schmutzler schrieb die tiermedizinische Fachangestellte Anika Sebbin am 22.08.2016:

„Achso Na da bin ich gespannt was ihr da wieder startet. Aber ich muss gestehen ich bin nicht mehr so scharf darauf bei sowas mit zu kommen seid der Sache mit max in Wien. Er stand nämlich direkt neben mir als er getroffen wurde.“

Als weitere Vereinsmitglieder sind Friedrich Wilhelm Schmutzler, ehemals aus Hamburg, und Torsten Görke, ehemals aus Halle, zu nennen. Görke eint mit Daniel Fiß eine politische Laufbahn vom Kameradschaftler, zur JN, hin zur „Identitären Bewegung“. Schmutzler, der, wie bereits beschrieben, aus einer HDJ Familie kommt und auf dem Email-Verteiler der NPD eingetragen ist, reiht sich ebenfalls in den Kreis der Kameradschaftsnazis von Görke und Fiß ein. Aktuell wohnt Görke auf dem Hof der Decaen, einer Familie aus dem Umfeld des „Sturmvogels“. Der erste Bundesführer des „Sturmvogel-deutsche Jugendbund“, Rudi Wittig, nahm im Oktober 2015 an einer internen Veranstaltung der IB MV teil. Bevor sich Wittig beim „Sturmvogel“ engagierte, war er jahrelang Bundesfahrtenführer der „Wiking Jugend“ [18].

Eher unscheinbar wirkt ein weiterer identitärer AfD-Sympathisant – Albert Glas. Bei der Besetzung des Brandenburger Tors war er für die Absicherung auf dem Boden zuständig. Den Einzug der AfD in das Landesparlament feierte Glas mit weiteren Anwesenden im Festzelt in direkter Nähe zum Landtag. Bei der Live-Berichterstattung zur Landtagswahl in M-V waren auch Torsten Görke und Hannes Krünägel vor Ort zu erkennen. Neben Daniel Fiß, ist Daniel Funke aus der Nähe von Ribnitz-Damgarten das letzte Vollmitglied des Vereins. Funke ist seit Anbeginn bei der IB in M-V aktiv und war unter anderem zuständig für die Planung und Durchführung von Märschen der IB. So z.B. im Frühjahr 2016, als aus Hamburg und anderen Teilen Norddeutschlands Mitglieder der IB nach Semlow reisten, um das Wochenende auf Funkes Anwesen zum gemeinsamen Wandern zu verbringen. Mit einem eigens gedruckten Shirt „Identitäre Bewegung Ribitz-Damgarten“ trat er als Redner auf der Kundgebung im April 2016 in Ribnitz auf.

IDENTITÄRE BEWEGUNG SCHLESWIG-HOLSTEIN

Als eine der ersten Gruppierungen der „Identitären Bewegung“ in Norddeutschland gilt die aus der Kameradschaftsszene entstandene Gruppierung „Identitas Nord“, später „Identitas Gemeinschaft“. Bereits im Oktober 2012 schlossen sich mehrere Mitglieder der extrem rechten Szene aus Ostholstein zusammen um nach dem Vorbild der in Frankreich entstandenen „Identitären Bewegung“ eine ähnliche Gruppierung im Schleswig-Holstein zu gründen. Erst später etablierte sich die Gruppe auch offiziell als „Identitäre Bewegung Schleswig-Holstein“ (IB S-H), die seit dem 30.04.2014 eine Facebook Seite führt. Die eigenständige Struktur der „Identitas“ wurde allerdings nicht aufgegeben, so laufen die Webauftritte als Doppelstruktur weiter.

Hintergrund
In den Jahren zuvor wurde die Kameradschaftsszene im Kreis Ostholstein vorwiegend von Einzelpersonen dominiert. Als einer der Hauptakteure gilt Sebastian Alexander Struve (*17.05.1986), welcher als treibende Kraft vorwiegend in Eutin und Umland junge Menschen in kameradschaftsnahe Verbindungen involvierte. Öffentlichkeitswirksame Aktionen in Form von Graffitis, Flyern von Propagandamaterial und anbringen von Transparenten wurden auf der Internetseite „Aktionsgruppe Eutin“ (AG5) inszeniert. In Videobeiträgen wurde zudem versucht rassistische Hetze medienwirksam zu verbreiten. Die „Aktionsgruppe Eutin“ sah sich im Gegensatz zum Rest der vorhandenen extrem rechten Gruppierungen als „Außerparlamentarische Opposition“ und galt lange politisch isoliert vom Rest der extrem Rechten Szene in Schleswig-Holstein. Nachdem Struve sich im Jahr 2011 zeitweise aus der Neonaziszene zurückzog entstand ein Vakuum. Die von Struve auf seine Person zugeschnittenen Gruppierungen mussten sich seither zwangsweise neu orientieren.

Der Weg zur Identitären Bewegung

Der aus Bad Malente im Kreis Ostholstein stammende Marcel Schark (*30.07.1991) versuchte zusammen mit Ray Vogel (*16.09.1982) und Fabian Wittig (*21.04.1990) die Strukturen in Eutin und Umland neu zu ordnen. Mit dem von Struve herangezogenen Nachwuchs beteiligten sie sich an Veranstaltungen der extrem rechten Szene in Norddeutschland. Mit einer Gruppe von bis zu zehn Personen besuchten sie u.a. den von der NPD und Kameradschaftsszene organisierten „Trauermarsch“ am 31. März 2012 in Lübeck und die von der JN organisierte Demonstration am 20. Oktober 2012 in Wismar. Bereits am 23. März 2013 beteiligte sich die Ostholsteiner Gruppe der „Identitas Nord“ an einem Aufmarschversuch der „German Defence League“ in Hamburg-Horn. Anmelder der Demonstration, welche unter dem Motto „Gegen den Umbau einer Kirche in eine Moschee“ stattfand, war der aus Lübeck stammende Stephan Buschendorff (*21.01.1970). Die Gruppe um Marcel Schark, welche wenige Monate zuvor noch mit einschlägig rechten Symboliken auf Demonstrationen auftrat, hatte bereits hier ihren Wandel zur „Identitären Bewegung“ vollzogen. So wurde beispielsweise das „Stahlgewitter“-Patch mit einem IB-Button ausgetauscht, die Ostholsteiner Kameradschaftsfahne durch eine Fahne mit „Lambda“-Symbol ersetzt.

Identitas Nord-Identitas Gemeinschaft-Identitäre Bewegung Schleswig-Holstein
Noch als „Identitas Nord“ agierend, leistete der bereits erwähnte Jan Krüger aus Niedersachsen, ab 2013 ideologische Aufbauhilfe für die Gruppe. Im Januar 2013 wurde in Lüneburg, sowie im Eutiner Umland, erstes Propagandamaterial der „Identitären Bewegung“ verklebt. Öffentlich wirksame Aktionen blieben vorerst aus. Auf Privatgrundstücken der Ostholsteiner Mitglieder werden gemeinschaftsstiftende Wochenenden verbracht, ungewohnt offen zeigen sich Mitglieder der ehemaligen Kameradschaftsszene in Videobeiträgen bei privat organisierten Boxveranstaltungen im Garten.

Unter leicht verändertem Namen ging im Oktober 2013 die neue Internetseite der „Identitas Gemeinschaft“ online. An der Struktur änderte sich hingegen nichts. Marcel Schark ist neben seiner Führungsrolle innerhalb der „Identitas Nord“ administrativ für die Internetseite der „Identitas Gemeinschaft“ verantwortlich. Als wahrscheinlicher Grund für die Umstrukturierung ist der Serverwechsel zu 1&1 anzusehen, da die Hompage der „Identitas Nord“ zuvor auf dem extrem rechten Bloganbieter „logr.org“ gehostet wurde und der Gruppe diese politische Verbindung zu offensichtlich war. Strategischer Kopf hinter der Gruppierung war lange Zeit Fabian Wittig. der seit Jahren gut in der Neonaziszene vernetzt ist. So besuchte er 2011 das „Pressefest“ der NPD mit u.a. Jens Lütke, Herman Gutsche und Frank Rennicke. Im Jahre 2012 trat er für die NPD im Wahlkreis Lübeck-Ost an [19]. Seit Februar 2016 hat sich Wittig aus der öffentlichen, politischen Arbeit zurückgezogen.

Aufgrund der regionalen Konzentration der IB S-H im Kreis Ostholstein sind öffentlich wirksame Aktionen kaum bis gar nicht wahrnehmbar. Zwar taucht hin und wieder vereinzelt Propagandamaterial in den umliegenden Kreisen auf, der Aktionsmus begrenzt sich hingegen auf das Anbringen von Transparenten an Bahnbrücken. Der Ostholsteiner Zusammenschluss nahm ebenfalls an der Kundgebung der „Identitären Bewegung“ in Ribnitz-Damgarten teil. Erst im August 2016 fand der erste offizielle Stammtisch für Schleswig-Holstein statt.

Marcel Schark und Ray Vogel sind weiterhin die relevanten Bindeglieder für die „Identitäre Bewegung Schleswig-Holstein“ zu den Mitgliedern in andere Bundesländer. Hinzugekommen ist Volker Zierke (*1992), ursprünglich aus Bayern, jetzt wohnhaft in Kiel. Zierke ist nicht eng an die Ostholsteiner Gruppe angebunden. Am 20.01.2017 reiste er mit Gerhild und Irmhild Sawallisch zum „Gemeinschaftswochenende“ nach Thüringen gefahren.

Neben den genannten Führungsfiguren verfügt der Ostholsteiner Zusammenschluss über weitere Mitglieder, wie Florian Schark (*20.11.1993), Jasmin-Carina Behrendt (*29.03.1989), Lisa Bock und Patrik Kleinau (*20.11.1990).

FAZIT

Die „Identitäre Bewegung“ in Norddeutschland schafft es verschiedene Flügel der extremen Rechten zu vereinen. Mitglieder völkischer „Sippen“ und früherer HDJ/WJ-Familien wie Sawallisch, Mörig, Drescher, Wittig, Schmutzler und Meyer-Sande sind zentrale AktivistInnen der IB in Norddeutschland. Die Teilnahme von ehemaligen WJ-Kadern an strategischen Treffen, wirft die Frage auf, ob Funktionäre der verbotenen HDJ/WJ gezielt Einfluss auf Entwicklung und Ausrichtung der „Identitären Bewegung“ nehmen. Neben Mitgliedern der HDJ/WJ-Familien bezieht die IB in Norddeutschland einen Großteil ihres politischen Personals aus extrem rechten Burschenschaften.

Die IB profitiert auch von der Schwäche der NPD und deren Jugendorganisation JN. So bieten diese keinerlei Anreize mehr für junge Rechte sich einzubringen. Nicht verwunderlich, dass sich viele ehemalige JN Mitglieder aktuell an der „Identitären Bewegung“ orientieren. Mit ihrem elitären Habitus, den gemeinschaftsstärkenden Aktivitäten in Form von Zeltlagern mit „Wehrsport“ Charakter, bietet die IB den ehemaligen HDJ/WJ/JN Mitgliedern eine adäquate Alternative.

Diese Bezüge und Doppelmitgliedschaften sind genauso selbstverständlich wie Verbindungen zur AfD und deren Jugendorganisation. Frei nach der Losung „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ pflegt man nicht nur enge freundschaftliche Beziehungen, sondern diskutiert Strategie- und Ausrichtungsfragen in beide Richtungen und heißt sich gegenseitig bei Veranstaltungen willkommen. Dies verwundert kaum, profitieren beide doch von den Synergieeffekten.

Die „Identitäre Bewegung“ in Norddeutschland verfügt somit über ein funktionierendes Netzwerk aus politischen StrategInnen, sogenannten „intellektuellen Rechten“, aktionistischen bis militanten StraßenkämpferInnen und finanzstarken SympathisantInnen. Mit mehr oder weniger spektakulären Aktionen wie der „Besetzung“ des Brandenburger Tors schafft es eine verhältnismäßig kleine Gruppe, ihren Inhalten über Medien und soziale Netzwerke die gewünschte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Die Gefahr, die von der „Identitären Bewegung“ ausgeht besteht derzeit eher in ihrem Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs als in der Formierung einer extrem rechten Massenbewegung. Mögen ihre Aktionen und die übertriebene mediale Aufbereitung ebendieser auch bisweilen befremdlich wirken, sorgen sie doch langfristig für eine Selbstverständlich-Werdung rassistischer, völkischer und sozialchauvinistischer Ansichten in der Gesellschaft.

INFOS UND ANREGUNGEN

IB-Info@systemausfall.org


QUELLEN

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.